"Es gab einmal eine Riesenkultur der Malerei, und die ist weg"

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art-Exklusiv-Interview mit Gerhard Richter, der die Gegenwartskunst kritisiert  

Hamburg (ots) - Nur selten spricht Gerhard Richter, einer der bedeutendsten Künstler der Gegenwart, über seine Kunst. Für das Magazin art machte er eine Ausnahme. Im Gespräch gibt der Künstler Auskunft über neue Projekte, den Abschluss des "Atlas" und seine Abkehr von der Malerei. Er rechnet außerdem bitter mit der heutigen Kunst ab.

Mit 81 Jahren ist Richter skeptisch wie eh und je - aber auch ebenso produktiv. Das Arbeitspensum hat er kaum reduziert, es entstehen frische Werke für zwei Ausstellungen im Herbst. Das Dresdner Albertinum zeigt neue Streifenbilder, Skulpturen aus Glasscheiben und Hinterglasbilder. Die Streifenbilder entstehen, indem der Künstler Ausschnitte aus früheren abstrakten Bildern immer weiter bearbeitet. Man kann Gerhard Richters Karriere so verstehen: als Bewegung weg von der Malerei oder als Versuch, ihr etwas nachfolgen zu lassen.

Das Münchner Lenbachhaus präsentiert den kompletten "Atlas" inklusive der neuen - und offiziell letzten - Tafeln. Es ist jenes Monumentalwerk aus Studien, Vorlagen und Entwürfen, das seit 1962 neben den großen Arbeiten entsteht und das jetzt abgeschlossen werden soll. Manches im "Atlas" ist zu großer Kunst geworden, etwa die unscharfen Bilder der RAF-Mitglieder, die zum berühmten Zyklus "18.Oktober 1977" wurden.

Die Freude an der Kunst war bei Richter immer begrenzt durch berechtigtes Misstrauen. Die Kunst von heute sei arg verwahrlost, resümiert der Maler. "Es gab einmal eine Riesenkultur der Malerei, und die ist weg. Ich bin dagegen ein armes Kerlchen mit meinem sogenannten Talent. Ein Foto abzumalen, das ist wirklich billig gegen das, was ein Tizian gemacht hat."

Außerdem im Heft: art kompakt "Kunstsaison" - Große Ausstellungen und Geheimtipps, Messen und Galerien: Die art-Redaktion hat die internationalen Höhepunkte des Kunstgeschehens für den kommenden Herbst und Winter (Oktober bis Januar) recherchiert, ausgewählt und kommentiert.

Das vollständige Interview mit Gerhard Richter ist in der aktuellen Ausgabe von art zu finden, die ab morgen zum Preis von 9 Euro im Handel erhältlich ist.

art ist Europas größtes Kunstmagazin und Marktführer im Segment der Kunstzeitschriften. Die monatlich erscheinende Zeitschrift informiert auf journalistisch anspruchsvolle, verständliche und unterhaltsame Weise über alle wichtigen Ereignisse, Entwicklungen und neuen Trends der internationalen Kunstszene. Neben Malerei, Plastik und Architektur wird auch über jüngere Gattungen wie Fotografie, Videokunst, Design und CrossCulture berichtet.

 

Quelle: art