Wahlheimat am Rhein


Ausstellung über den Bildhauer und Zeichner Lajos Barta
8. November 2013 – 23. März 2014

»Seine kraftvollen und ausgeglichenen Werke spiegeln den präzisen Blick wider, den er auf die Welt hatte. Manche seiner Skulpturen erreichen monumentale Größe, andere bleiben eher intim, aber alle Skulpturen sind von vollendeter Harmonie (). Dank seiner unerschöpflichen Vorstellungskraft und seiner Wahrhaftigkeit fügt sich Lajos Barta in die Reihe der großen Künstler seiner Zeit.«
(José Pereira, 2012)

 

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Lajos Barta im Festsaal Bahnhof Rolandseck mit Skulptur, 1967
Foto: Eric Krupp

 

Erstmals widmet sich das Arp Museum Bahnhof Rolandseck in einer Überblicksschau dem ungarischen Bildhauer Lajos Barta (1899-1986). Im Themenjahr des »Künstler-Ich« erinnert die Ausstellung an den charis.matischen Menschen und Künstler sowie seine span.nende, durch die Zeit- und Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts tief geprägte Biografie.  

Erst spät setzte sich Barta mit der Abstraktion, dem beherrschenden künstlerischen Thema des 20. Jahr.hunderts auseinander und schuf 1943 in Budapest seine erste nicht-gegenständliche Zeichnung. Im Jahr darauf konnte er als Jude der Verfolgung durch das Nazi-Regime entkommen und überlebte im Untergrund. Nach 1945 gehörte Barta zu den führenden Künstlern der Avantgarde in der Künstlergruppe »Europäische Schule«. Im Stalinismus der ungarischen Volksrepublik ab 1950 wurden ihm als abstraktem Künstler jedoch die Existenzgrundlagen entzogen. Barta geriet in den ideologischen Machtkampf zwischen Ost und West. Mitten im Kalten Krieg ging er 1965 für immer ein den Westen und kam durch Vermittlung eines Schweizers Freundes an den Künstler.bahnhof Rolandseck.  

Hier baute Barta zwischen 1965 und 1967 zielstrebig einen neuen Bestand an Plastiken und Zeichnungen auf. Eigens für das Rheinufer in Remagen realisierte er die dynamische Großplastik »Liebeskraft«. Diese gehört zum »Skulpturenufer Remagen«, einem gemeinsamen Projekt der Stadt Remagen und des Arp Museums Bahnhof Rolandseck. Remagens Bürgermeister Herbert Georgi, Vorstandsmitglied der Landes-Stiftung Arp Museum Bahnhof Rolandseck, führt hierzu aus: »Bartas monumentale Skulptur, die er als letztes Werk vor seinem Tod schuf, ist für uns ein bedeutendes Symbol für den Frieden. Der Künstler entwarf sie für diesen geschichtsträchtigen Ort vor den Türmen der zerstörten Brücke von Remagen. Die Plastik steht mit ihrem Motiv des Tragens sowohl für die Brücke als auch für den Dialog zwischen Menschen und Nationen.«

Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck präsentiert rund 40 abstrakte Plastiken und 90 Zeichnungen, die im Schwerpunkt die 1940er und 1950er Jahre umfassen. Bisher nie öffentlich gezeigte Zeichnungen geben Einblick in die faszinierende Welt der frühen surrealistischen Phase Bartas und dokumentieren sein Œuvre aus der Zeit der inneren Emigration während des Stalinismus. Nach dem Aufstand 1956 entspannte sich die Lage und es entstanden auch abstrakte Zeichnungen mit humorvoll homoerotischer Konnotation.

Museumsdirektor Dr. Oliver Kornhoff: » Wir freuen uns sehr, die erste umfassende monografische Retrospektive des Bildhauers und Zeichners Lajos Barta im Arp Museum Bahnhof Rolandseck präsentieren zu können. Von 1965 bis 1967 wurde der Bahnhof Rolandseck für einige Jahre zu Bartas Wahlheimat. Hier wohnte und arbeitete er und blieb bis zu seinem Tod diesem Ort der Künste verbunden, von dem aus er mit 66 Jahren seine zweite Künstlerkarriere begann.«  

Die von dem Kölner Kunsthistoriker Dr. Ulrich Winkler kuratierte Ausstellung konzentriert sich auf Modelle der 1950er und 1960er Jahre, die in Ungarn und in der zweiten Heimat Bartas, im Rheinland, als Monumentalplastiken im öffentlichen Raum realisiert werden konnten. Nie zuvor wurden diese Bronzen, die noch heute in Budapest, Köln, Bonn, Mülheim a. d. Ruhr, Wuppertal, Siegen und Remagen stehen, als Werkgruppe zusammengeführt, obwohl sie zu den Meisterwerken Bartas gehören. Bartas Skulpturen sind in bedeutenden Sammlungen wie zum Beispiel im Centre Pompidou und in der Nationalgalerie Ungarns vertreten. Im Rheinland bilden sie, öffentlich zugängig, sein künstlerisches Vermächtnis.

Die Exponate der Ausstellung kommen von insgesamt 25 Leihgebern, darunter das ungarische István Király Múzeum in Székesfehérvár, aber auch zahlreiche deutsche und französische Privatsammler. Einige Werke gehören zur Sammlung des Arp Museums Bahnhof Rolandseck. Ein wieder entdecktes Filmfragment vermittelt in der Ausstellung einen lebendigen Eindruck des Künstlers bei der Arbeit.

Die Ausstellung wird in Kooperation mit dem Donauschwäbischen Zentralmuseum, Ulm realisiert. Sie findet statt mit großzügiger Unterstützung der Martin-Lantzsch-Nötzel-Stiftung für die Kunst der 50er Jahre.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der ein Vorwort von Museumsdirektor Oliver Kornhoff (Hrsg.), Texte von Jutta Mattern, Gábor Pataki und Ulrich Winkler sowie persönliche Berichte von Zeitzeugen enthält. (Verkaufspreis: 18 Euro).

Die Ausstellung wird umrahmt von einem bunten museumspädagogischen Programm. Der Kurator der Ausstellung, Ulrich Winkler, führt zusammen mit dem Zeitzeugen und ehemaligen Bürgermeister von Remagen, Peter Kürten, am 18. Januar durch die Ausstellung. Öffentliche Führungen an jedem zweiten Sonntag (ab dem 10. November) im Monat um 15 Uhr geben tiefere Einblicke in das Werk Lajos Bartas. Im Rahmen der »Kunstpause für junge Eltern« am 4. Dezember um 11 Uhr sind alle Eltern mit ihren Babys herzlich eingeladen in Kleingruppen die Ausstellung zu erkunden. Die Führung»Der entschleunigte Blick« mit Dr. Nicole Birnfeld und Olaf Mextorf ermöglicht es Besucherinnen und Besuchern, sich in einer Dialogführung mit einzelnen Objekten vertieft auseinander zu setzen. Eine Fortbildung für Erzieher/Innen und Lehrer/Innen findet am 12. November um 16 Uhr statt. Drei individuell buchbare Workshops (»Zeichenwerkstatt« /»Abstraktion und Natur« /»Viel Gefühl!«) runden das Programm ab. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website www.arpmuseum.org. Eine Anmeldung ist bis zu 10 Tage vor Veranstaltung möglich unter fuehrungen@arpmuseum.org oder telefonisch unter 02228/9425-63

 

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und Feiertage 11–18 Uhr
Eintrittspreise: nur Barta-Ausstellung 4 €, erm. 2 €, ganzes Museum 8 €, erm. 6,50 €